Die Lebensmittelüberwachung insbesondere zur Vermeidung von Salmonellosen ist für uns alle unverzichtbar. Das gilt nicht nur für jeden einzelnen von uns, sondern auch für größere Personenkreise, denn ein unbemerkt salmonellenbelastetes Lebensmittel kann fast seuchenartig viele Personen erkranken lassen.
Dieses äußerst wertvolle Kontrollinstrument Lebensmittelüberwachung mit seiner Meldepflicht bei den Veterinärämtern der Kreise und kreisfreien Städte bzw. den Gesundheitsämtern sorgt für die Verfolgung der Erregerquellen und deren Verbreitung. Zudem haben die Ämter die Pflicht, die Öffentlichkeit zu informieren und zu warnen.
Und dieses wichtige Kontrollinstrument will unser Landwirtschaftsminister Alois Reiner abschaffen. Dabei sollte er das doch selbst als Schlachter und Gastwirt besser wissen.
Dann bliebe lediglich noch eine freiwillige Eigenkontrolle, wenn der Lebensmittelhersteller von sich aus Proben untersuchen läßt. Sollten dann Salmonellen gefunden werden, muß das aber keine Konsequenzen haben, da die Reaktion des Herstellers nicht kontrolliert wird.
Ich erinnere noch sehr genau, wie wir Tiermedizinstudenten in den 70er Jahren in der Fleisch- und Hygienekunde u.a. mit der sog. Deutschen Hackfleischverordnung (HFIV) gequält wurden. Wer darüber nicht genug wußte, fiel durch die Prüfung – so wichtig war also dieses Wissen! Und hierbei ging es in erster Linie um die Vermeidung einer Ausbreitung von Salmonellen.
Diese Verordnung wurde im August 2007 im Rahmen der europäische EU-Hygieneregeln durch die deutsche Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) ersetzt.
Nun fragen Sie vielleicht, warum gerade das Hackfleisch gefährdet ist von Salmonellen oder auch anderen Fäulniskeimen besiedelt zu werden. Natürlich können unendlich viele Lebensmittel Opfer der Keime werden. Aber Hackfleisch ist extrem empfindlich, da durch den Fleischwolf fein zerkleinerte Muskelfasern eine besonders große Oberfläche und damit Angriffsfläche für Bakterien bieten. Darum gibt es hier auch besonders strenge Regeln für das Verarbeiten, gekühlte Lagern und in den Handel bringen – alles mit strengen Haltbarkeitsvorschriften. Darum darf es auch nicht auf Wochenmärkten verkauft werden.
Salmonellen können uns wirklich zu schaffen machen. Darum hierzu einige wichtige Informationen. Lebensmittelvergiftungen dürfte zumindest vom Begriff her wohl jeder kennen, die sogenannten enteritischen Salmonellen (Salmonella enteritica) und deren Pathogenität wohl weniger. Enteritisch, also im Darm vorkommend, beschreibt den Ort, wo sie sich wohlfühlen. Das ist primär im Darm von Tieren. Sie werden meist über rohe Lebensmittel z.B. Eier und Geflügel auf den Menschen übertragen und leben bei uns im Darm weiter. Hier kommt es dann über Tage zu Fieber und massiven Durchfällen, die bei Kindern und älteren Menschen zu lebensbedrohlichen Elektrolyt- und Wasserverlusten führen können.
Nun zu der Frage, welche Konsequenzen hätte die Abschaffung der Meldepflicht für uns alle. Da die Lebensmittelhersteller die Laborergebnisse nicht zwingend beachten müssen, allenfalls im Eigeninteresse, wird im Zweifel die Verbreitung z.B. der Salmonellen ihren freien Lauf nehmen. Dann werden wahrscheinlich in Schul- und Betriebskantinen häufiger Salmonellen erscheinen und viele Menschen erkranken lassen. Und es werden erst im nachherein bei Laboruntersuchungen der Erkrankten die Erreger nachgewiesen, wenn es bereits zu spät ist.
Eine großartige Idee, finden Sie nicht auch? Der Schlachter Alois Reimer wird natürlich so schlau sein seine Produkte freiwillig so genau wie zuvor testen zu lassen, um seine Kunden in der Schlachtereien und Gastwirtschaft nicht zu verlieren. Aber wie sieht das bei den Lebensmittelbetrieben aus, die es dann wohl erst einmal drauf ankommen lassen – unter dem Motto: es könnte ja gut gehen.
Wenn man all das bedenkt, muß man sich ernstlich fragen, welches Motiv den Landwirtschaftsminister um Gottes Willen leitet, die Kontrollen abzuschaffen. Sollte der Grund die Kostenersparnis in der Verwaltung zu finden sein, dann hat er ganz sicher die Rechnung ohne die Salmonellen gemacht, denn vermehrte Lebensmittelvergiftungen sind weit teurer!
Mein Rat:
Wenn uns die Politiker schon nicht schützen, dann sollten wir das möglichst selbst tun. Also z.B. keine rohen Eier essen und Geflügelfleisch nicht vor dem Verarbeiten abspülen, womit sich ansonsten die Keime im Waschbecken gut verbreiten können. Mit Küchenpapier abwischen reicht. Und anschließendes Händewaschen nicht vergessen!
Und das Hackfleisch sollten Sie besser nicht roh essen.
