Chronisch entzündliche Darmerkrankungen CED

„Es gibt keine CED ohne eine Dysbiose“

(Dr. med. Jörn Reckel)

 

Wenn ich eines in den 37Jahren Erfahrung mit der Mikroökologischen Therapie bei chronischen Erkrankungen gelernt habe, dann ist es, daß diese Therapie bei Colitis, Morbus Crohn und auch Divertikulitis am erfolgreichsten und lohnendsten – und oft auch alternativlos ist! Auch wenn es in der Medizin immer noch nicht überall angekommen ist, alle CED werden direkt oder indirekt von Dysbiosen verursacht oder zumindest unterhalten.

Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarmes mit Geschwürsbildung, die in sehr unterschiedlichen Varianten vorkommen kann. Man unterscheidet zwischen einem permanenten und einem zyklischen Verlauf mit beschwerdefreien Intervallen. Typisch sind die Geschwüre im Bereich der Entzündung, aus denen es bluten kann. Die entzündete Schleimhaut macht ihrem Namen alle Ehre und produziert vermehrt Schleim, löst krampfartige Schmerzen und Durchfall aus. Betroffen sein kann der gesamte Dickdarm, auch wenn die häufigste Lokalisation im absteigenden Dickdarmast und Enddarm zu finden sind. Und das ist kein Zufall, ebenso wenig wie die Entzündungen von Divertikeln oder die Dickdarm-Karzinome, die auch alle in diesem Dickdarmabschnitt vorkommen. Nun müssen Sie wissen, daß ca. 90% aller Darmbakterien im Dickdarm und davon wieder die meisten im absteigenden Dickdarm und Enddarm leben. Das gilt natürlich für gewünschte und krankmachende Bakterien, die der Schleimhaut gewaltig zusetzen können. Fäulniskeime wie die Clostridien fühlen sich im Entzündungsmilieu sehr wohl, da sie von Eiweißen leben, die sie im Blut und Schleim reichlich finden – bei 37Grad geradezu ein Schlaraffenland. Weniger die Fäulniskeime selbst als deren Stoffwechselprodukte wie Benzoesäure oder Cresol sind es, die die Entzündung unterhalten und eine Heilung verhindern. Und so entsteht ein Teufelskreis, aus dem man ohne eine Sanierung des Mikroökologischen Systems nicht entrinnen kann. Die leitlinienkonformen Anwendungen von Cortison, Mesalazin oder Biologicals sind oft unverzichtbar, können wohl die Entzündung in Schach halten, sozusagen eine gnadenvolle Decke über das Problem legen, aber der bakterielle Reiz bleibt bestehen.
Darum empfehle ich zu Beginn der Therapie parallel zu den bisherigen Medikamenten eine Milieusanierung, die bei konsequenter Anwendung oft die allopathischen Präparate nach und nach ablösen kann. Die schleimhautschützende und schleimhautregenerative Wirkung gewünschter Bakterienkulturen sollte man nicht unterschätzen. Immerhin ist das der natürliche Weg, wie sich die Schleimhaut mit Hilfe des Mikrobioms wieder erholt. Die Natur hatte nicht geplant, daß es einmal Ärzte und Kliniken gibt. Sie mußte sich selber helfen.

Morbus Crohn

Vieles von dem, was Sie oben über die Colitis gelesen haben, gilt auch für den Morbus Crohn. Nicht zuletzt deshalb fällt es in der Gastroenterologie oft so schwer die beiden Erkrankungen auseinanderzuhalten.
Auch hier steht die Entzündung der Darmschleimhaut im Vordergrund, wobei die häufigste Lokalisation im rechten Unterbauch der Übergang von Dünn- zu Dickdarm ist. Weniger Geschwüre als Verengungen im Entzündungsbereich lösen die Beschwerden aus, die dank ihrer Lokalisation anfänglich mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden können.
Unter den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kommt fast nur bei dem Morbus Crohn die äußerst unangenehme Komplikation der Fistelbildung vor. Dabei entwickeln sich aus der entzündeten Schleimhaut schlauchartige Gänge zwischen oder durch andere Gewebe und münden schließlich zumeist neben dem After und tragen damit die Entzündung bis in die Haut. Die nicht selten fuchsbauartigen Fistelgänge sind nur bedingt operabel und quälen die Patienten häufig mehr als die Darmerkrankung.
Nicht zuletzt aufgrund dieser zu befürchtenden Komplikationen gilt es die Erkrankung möglichst früh zu erkennen und sehr konsequent zu behandeln. Auch hier kommt der Mikroökologischen Therapie ein sehr hoher Stellenwert zu.

Divertikulitis

Auch wenn es etwas befremdlich klingen mag, für die Behandlung dieser chronisch entzündlichen Darmerkrankung hege ich eine große Faszination und Begeisterung. Die Erklärung fällt leicht, denn bei keiner Erkrankung ist die Mikroökologische Therapie so erfolgreich und zugleich die einzige Behandlungsform, die die eigentliche Ursache beseitigt und Rückfälle verhindern kann! Keine schulmedizinische Behandlung kann das bieten. Im Gegenteil darf ich behaupten, daß die klassische Gastroenterologie keinen erfolgreichen Plan hat, außer zunächst mit Antibiotika akut Schaden zu begrenzen und bei wiederkehrenden Divertikulitisschüben operativ den befallenen Darmbereich zu entfernen. Die eigentliche Ursache, die Dysbiose des Darmes, bleibt aber unbeachtet und damit bleibt das Problem ungelöst. Und genau das kann die Mikroökologische Therapie!
Die Divertikulitis ist die sehr gefährliche und folgenschwere Entzündung von sog. Divertikeln im Darm. Divertikel als solche sind primär relativ harmlose Ausstülpungen – sog. Divertikulose – in der Dickdarmwand – solange sie nicht entzünden! Man geht davon aus, daß ab dem 60. Lebensjahr ca. jeder Zweite ein oder mehr Divertikel entwickelt. Das ist bei unserer Lebensweise mit viel Sitzen und wenig Bewegen also mehr oder weniger normal. Es handelt sich bei den Divertikeln meist um eine Bindegewebeschwäche, die zuläßt, daß aufgrund erhöhten Innendrucks im Dickdarm die Darmwand nachgibt und sozusagen ausbeult. Das ist soweit nicht so schlimm, solange die Divertikel bzw. ihre Schleimhautauskleidung nicht entzündet und zur Divertikulitis wird. Und was die Entzündung hervorrufen kann, das können Sie sich wahrscheinlich denken. Richtig, eine Dysbiose im Darm, wobei toxinbildende Gär- und Fäulniskeime die Schleimhaut entzünden und damit anschwellen lassen. Nun müssen Sie wissen, daß Divertikel häufig einen relativ engen Zugang, einen Hals, vom Innenraum des Darmes haben, der wie der gesamte Darm von Bakterien besiedelt ist. Leben nun vermehrt Gär- und Fäulniskeime im Dickdarm, dann können die mit Ihren Stoffwechselprodukten die Schleimhaut entzünden und damit schwellen lassen und der enge Zugang zum Divertikel schwillt zu. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf, denn die Fremdkeime können sich nun bei 37 Grad Brutschranktemperatur ungehindert vermehren und lassen einen Abszeß entstehen – eine Divertikulitis. Und was ein Abszeß im Bauchraum bedeutet, das kann sich jeder ausmalen. Nicht selten bleibt es nicht bei dem Abszeß, denn es gehört nicht viel dazu und er perforiert in die Bauchhöhle – eine höchst lebensbedrohliche Komplikation. Aber auch bei einem komplikationsarmen Abszeß kann bestenfalls ein hochdosiertes Antibiotikum meist per Infusion im Krankenhaus helfen. Nicht selten bleibt nur die Not-OP.
Das möchte gewiß niemand erleben. Und das muß es auch nicht! Denn wenn Sie einen Moment überlegen, dann wird Ihnen klar, daß eine Divertikulitis nur entsteht, wenn eine Dysbiose im Dickdarm das Milieu beherrscht und Entzündungen auslösen kann. Ist aber das die Schleimhaut schützende und ernährende Darmmilieu intakt, haben Fremdkeime keine Chance. Das ist das Wunderbare an der Mikroökologischen Therapie. Sie ist der einzige erfolgreiche Weg – und das auf rein biologische Weise! Darum mögen Sie verstehen, warum ich die Prophylaxe der Divertikulose und die Behandlung der Divertikulitis bzw. der chronischen Divertikelkrankheit als eine ganz besondere Herausforderung empfinde.
Es motiviert mich auch die Mikroökologische Therapie in der Divertikelbehandlung gegenüber Ärzten, Heilpraktikern und insbesondere Patienten zu propagieren, weil nach wie vor die Leitlinie in der Gastroenterologie für die Behandlung der Divertikelkrankheit die Anwendung von Probiotika mit dem Hinweis ausschließt, daß die Studienlage noch unklar sei! Aber ich bitte Sie, hier braucht man doch nur einen gesunden Menschenverstand und etwas Nachdenken, statt auf gesicherte Studienergebnisse zu warten!