Über die Bedeutung des Mikrobioms in unserem Darm im Sinne von „Darm krank – alles krank“ kann sich mittlerweile wohl jeder in der Presse informieren und sollten zumindest Ärzte, Heilpraktiker und andere Therapeuten in Heilberufen ohnehin informiert sein.
Denkt man aber einen Schritt weiter, dann muß uns allen doch klar sein, daß die Mundhöhle den Beginn des Verdauungstraktes darstellt und natürlich auch von einem Mikrobiom besiedelt sein muß. Und es sollte nicht verwundern, daß das sogar noch komplexer ist, als das des Darmes – wenn man bedenkt, was wir alles in den Mund stecken! Und damit sind nicht nur Speisen gemeint, sondern auch Gegenstände, auf denen wir gedankenversunken herumkauen oder auch ungewaschene Finger, die wir in den Mund stecken, wenn wir z.B. an den Nägel kauen.
Tatsächlich besteht das Mikrobiom unserer Mundhöhle aus ca. 2500 Keimarten im Gegensatz zum Darmmikrobiom mit seinen ca. 800 bis 1000 Arten. Nun fragen Sie sich sicher, wo so viele Arten auf dem Weg in den Darm verloren gehen? Die Antwort ist schnell gefunden: sie überleben das Säurebad des Magens nicht, was auch gleich erklären mag, warum Säureblocker wie die allzu häufig verordneten Protonenpumpenhemmer so gravierende Nebenwirkungen im Darm erzeugen können! So gelangen nämlich mehr ungewünschte und krankmachende Keimarten ungebremst in den Darm, als dem lieb sein kann.
Denken wir an die Hygiene der Mundhöhle, dann denken wir stets an unsere Zähne und bestenfalls noch an das Zahnfleisch. So wundert es nicht, daß Zahnärzte gemäß ihrer Berufsbezeichnung sich bisher innerhalb der Mundhöhle primär um die Zähne sowie die Parodontose bzw.. Paradontitis kümmerten. Bakterien spielten nur insoweit eine Rolle, als sie die Zahngesundheit gefährden.
Dem sehr komplexen Mikrobiom der Mundhöhle wird erst in jüngster Zeit Aufmerksamkeit geschenkt – und das anfänglich wieder ausschließlich im Interesse der Zahn- und Schleimhautgesundheit. Dabei sollte eigentlich schon länger den Zahnärzten die ganzkörperliche Bedeutung der Mundhöhle aufgefallen sein, da bekannt ist, daß beispielsweise bakterielle Fehlbesiedlungen von Zahnfleischtaschen zu Herzerkrankungen führen können, indem die Bakterien über das Blut das Herz erreichen und eine Entzündung (sog. Endocarditis) provozieren können.
Nun werden Sie sich aber zurecht fragen, was hat das alles mit dem Altern zu tun?
Heute erkennt man die Mundhöhle und sein Mikrobiom als ein hochaktives biologisches System, das immunologisch zu den aktivsten Regionen unseres Körpers zählt. Ist dieses System gestört, führt es sehr schnell zu chronischen Entzündungsprozessen, die sich auf alle Gewebe unseres Körpers ausbreiten können. Durch dauerhafte sog. Zytokinfreisetzung (steuernde Botenstoffe des Immunsystems) können zunächst fast unbemerkt u.a. Herzkreiskauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Degenerationen des Nervensystems wie Demenz oder M. Alzheimer ausgelöst werden. Alles Mechanismen, die das biologische Altern erheblich beeinträchtigen können.
Man geht heute davon aus, daß biologisch gesehen das Altern unter anderem von chronisch niedriggradigen Entzündungen geprägt ist, die darüber entscheiden, wie schnell, wie hinfällig oder gesund wir altern!
Dabei spielen unsere Zähne und deren Einsatz beim Kauen natürlich schon eine große Rolle. So konnte man nachweisen, daß ein lückenhaftes Gebiß, in dem Zahnpaare nicht passend aufeinanderbeißen, zu schlechtem Kauen und Verdauen der Speisen führen und damit zu einer kürzeren Lebenserwartung!
Es gibt tatsächlich eine Korrelation zwischen funktionsfähigen Zahnpaaren und höherer Lebenserwartung!
Wer also nicht nur auf ein langes Leben hofft, sondern auch möglichst viele Lebensjahre gesund verbringen möchte, der sollte sich um gesunde Zähne und ein intaktes Mikrobion in der Mundhöhle und natürlich auch im Darm bemühen.
Mein Rat:
Da Sie sich sicher auch wünschen möglichst viele Lebensjahre in Gesundheit verbringen zu dürfen, sollten Sie Ihre Zähne nicht nur der Schönheit wegen oder aus Angst vor Zahnschmerzen pflegen, sondern die Mundhygiene auch als eine lebensverlängernde und die Gesundheit maximierende Maßnahme sehen. Wer möchte schon wegen schlechter Zähne und Mundhygiene herzkrank oder dement werden?
