Chronische Verstopfung (Obstipation) ist nicht nur quälend und beeinträchtigt ganz erheblich die Lebensqualität, sie hat auch nachteilige Folgen auf den Darm und sein Mikrobiom. Und von dem wissen wir, daß es im Sinne von „Darm krank – alles krank“ unseren gesamten Organismus stören kann.
Insbesondere Frauen leiden besonders häufig in und nach den Wechseljahren unter Verstopfung, da mit dem Versiegen von Östrogen und Progesteron spezielle Hormonrezeptoren im Darm nicht mehr aktiviert werden. Dieser hormonelle Effekt besteht besonders bei Frauen, um in der Schwangerschaft die Energieversorgung zu sichern und den Darm in der räumlichen Enge neben der sich ausweitenden Gebärmutter in seiner Funktion zu unterstützen.
Die British Dietetic Association hat aufgrund den Ergebnissen einer sehr umfangreichen Metaanalyse aus immerhin 75 randomisierten kontrollierten Studien Richtlinien für die Behandlung chronischer Verstopfung veröffentlicht.
Dabei wurde die relativ neue Erkenntnis berücksichtigt, daß ganz offensichtlich schon im Dünndarm die Ursache für Verstopfungen des Dickdarmes bestehen kann. Die Transitzeit des Darmes hat nämlich einen erheblichen Einfluß auf die Zusammensetzung unseres Mikrobioms!
Jedem mag einleuchten, daß bei Durchfall mit kurzer Transitzeit die Keimzahl reduziert und folglich bei Verstopfung erhöht sein mag. Dabei variiert auch der Anteil der einzelnen Bakterienarten. Von einigen Bifidobakterien weiß man schon länger, daß sie einen aktivierenden Einfluß auf die Darmmotorik haben.
Immerhin müssen wir bedenken, daß bei einem Gesunden der Stuhl zu ca. 60% aus Bakterien besteht – die auch raus müssen!
Wie man an den Ergebnissen der englischen Studien sieht, scheint man endlich zu begreifen, daß allein mit diätetischen Mitteln wie Flohsamenschalen, Leinsamen, Vollkornprodukten etc. man sich nur darauf konzentrierte den Wassergehalt mit erhöhter Trinkmenge und das Stuhlvolumen mit erhöhter Ballaststoffzufuhr zu erhöhen – ohne Berücksichtigung der Transitzeit und des Mikrobioms.
Gemäß den neuen Studienergebnissen haben innerhalb unseres Mikrobioms Bakterienarten wie Bifidobacterium lactis, Lactobacillus rheuteri u.a. nämlich einen entscheidenden Einfluß auf die Darmentleerung und Stuhlfrequenz sowie auf die Darmtransitzeit!
Mittlerweile kennt man auch die Mechanismen, mit denen bestimmte Darmbakterien unseren Darm in seiner Funktion unterstützen. So aktivieren sie beispielsweise das Schleimhautimmunsystem (über regulatorische T-Lymphozyten) oder aktivieren über Fermentationsprodukte das darmeigene Nervensystem.
Somit dürfte jedem klar werden, daß unsere Darmfunktion und somit auch die Stuhlentleerung u.a. von der Zusammensetzung unseres Mikrobioms abhängt.
Als besonders wirksam gelten heute gegen chronische Verstopfung deshalb Kombinationen von Probiotika mit mineralstoffreichem Wasser oder Magnesiumoxyd oder Kiwifrüchten oder Rohsamenschalen.
Mein Rat:
Bei der Behandlung Ihrer chronischen Verstopfung sollten Sie auch an Ihr Mikrobiom denken, wenn Sie allein mit Flohsamenschalen nicht erfolgreich sind. 3-4 Kiwifrüchte tgl. erhöhen den Wassergehalt schon im Dünndarm und fördern gewünschte Darmbakterien. Aber auch besonders mineralstoffreiches Mineralwasser oder Magnesiumoxyd (0,5-1,5g/tgl) können den Darm in Schwung bringen.
Ich wünsche Ihnen künftig gute „Geschäfte“!
