Sehr viele Menschen leiden ständig oder zumindest wiederkehrend an Sodbrennen, dem Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre und nicht selten bis in den Mund. Und meist wird von Patienten und auch Ärzten und Heilpraktikern wie selbstverständlich davon ausgegangen, daß sich zu viel Magensäure im Magen befindet und überläuft. Die Erklärung erscheint sicher auch Ihnen beim ersten Gedanken auch schlüssig.
Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wie entgegen jeglichen physikalischen Gesetzen etwas bergauf fließen kann? Denn die meisten Menschen erleiden ihr Sodbrennen in aufrechter Haltung!
Im Liegen kann man sich das schon eher erklären, zumindest dann, wenn eine sog. Hiatushernie (eine Schlußunfähigkeit des Mageneingangs) besteht. Dann kann Mageninhalt passiv in Richtung Speiseröhre fließen.

In einem aktuellen Artikel in SPIEGEL HEALTH wird zurecht die Frage aufgeworfen, warum so viele Menschen Magensäureblocker nehmen, obwohl sie es nicht bräuchten. Der von mir sehr geschätzte Gastroenterologe Prof. Dr. Ahmed Madisch aus dem Friederiken- und Henriettenstift in Hannover beklagt, daß laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mehr als 42 Millionen Packungen sog. Protonenpumpenhemmer allein im Jahr 2025 verordnet wurden und erklärt, wie man mit deutlich nebenwirkungsärmeren Präparaten auch die Beschwerden lindern kann. Allerdings sieht auch er wie die meisten Therapeuten das Problem im Magen lokalisiert, wohl wissend, daß sehr viele Menschen eine Hiatushernie haben und deshalb unter Sodbrennen leiden.

Was aber, wenn gar nicht zu viel Magensäure vorhanden ist und trotzdem Sodbrennen besteht? Und warum kann Mageninhalt entgegen der Schwerkraft die Speiseröhre hochsteigen? Wer schiebt denn da?
Wenn Sie sich das auch schon einmal gefragt haben, dann bekommen Sie hier die Erklärung. Denn schieben kann der Darm!

In der Medizin geht man davon aus, daß mindestens 60% der Erwachsenen wiederkehrend oder ständig unter einem Blähbauch leiden. Und das bedeutet eine verstärkte Gasbildung im Dickdarm. Dieser verläuft anatomisch vom rechten Unterbauch bis zum rechten Rippenbogen, zieht querverlaufend unter dem Magen zum linken Rippenbogen, um dann zum linken Unterbauch abzusteigen. Den Oberbauch teilen sich also der Querast des Dickdarmes und der darüber liegende Magen. Nun können Sie sich sicher vorstellen, was mit dem armen Magen passiert, wenn der Dickdarm stark aufgast. Richtig, er wird unter das Zwerchfell gequetscht – und der Druck im Magen steigt. Und nun könnte auch eine geringe Menge Magensäure in Richtung Speiseröhre gedrückt werden und Sodbrennen erzeugen.

Die Anwendung von Protonenpumpenhemmern (PPI) wie z.B. Pantoprazol, Omeprazol u.a. unterbindet nur die Säurebildung, löst aber nicht das Problem. Im Gegenteil, PPI´s schaffen ein neues Problem und lassen einen Teufelskreis entstehen. Sie können sich sicher denken, daß man nicht ungestraft einfach den Verdauungsprozessen die Magensäure entziehen kann.
Mangels Magensäure kann nämlich das insbesondere für die Eiweißverdauung so wichtige Verdauungsenzym Pepsin nicht wirken und Speisen gelangen schlecht vorverdaut in den Darm, der damit völlig überfordert ist. Die Konsequenz ist eine unvollständige Verdauung der Speisen im Dünndarm, die nun im Dickdarm Gär- und Fäulniskeime füttern und vermehren lassen. Sie ahnen nun sicher schon, was nun kommt. Richtig, es entstehen noch mehr Gase, die den Dickdarm noch mehr auftreiben lassen und den Druck auf den Magen erhöhen.

Dieser Teufelskreis erklärt, warum Patienten, die einmal länger als 2-3 Wochen PPI´s eingenommen haben, nur sehr schwer von deren Anwendung wieder weg kommen.
Und das ist ein wesentlicher Grund, warum so sehr viele Patienten Magensäureblocker einnehmen. Das ist eine entscheidende Antwort auf die Frage, die im Artikel des SPIEGEL aufgeworfen wurde.

Natürlich wäre dieser Beitrag unvollständig, wenn ich nicht erwähnen würde, daß ein Großteil der PPI-Verordnungen völlig unnötig und unsinnig sind. Fast routinemäßig werden Sie in der Medizin als Magenschutzpräparat verordnet, um den Magen vor den Angriffen diverser anderer Medikamente zu schützen, also eine drohende Gastritis zu vermeiden. Das mag bei Antirheumatika und hoch dosiertem Cortison angebracht sein, wird aber auch bei diversen anderen Medikamentenverordnungen eingesetzt – ohne über die Konsequenzen im Darm nachzudenken.

Mein Rat:

Leiden Sie unter Sodbrennen, sollten Sie sich fragen (wenn es die Therapeuten schon nicht tun), warum Sie das haben. Leiden Sie gleichzeitig unter einem Blähbauch, sollten Sie sich eher um den Darm und nicht allein um Ihren Magen kümmern – und meiden Sie PPI´s solange es geht!