Wissenschaftler der Universität Michigan haben in einer aktuellen Studie die erschreckende Erkenntnis gewonnen, daß jeder achte Erwachsene im Alter von 50 bis 80 Jahren süchtig nach hochverarbeiteten Nahrungsmitteln ist, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer.
Mit dem Begriff Sucht verbinden wir gemeinhin Abhängigkeiten von Alkohol, Nikotin oder Drogen. Kaum jemand dürfte bei dem Thema aber an Nahrungsmittel denken. Das ist zunächst auch richtig so, solange wir an gesunde und natürliche Lebensmittel und nicht an industriell hochverarbeitete Fertignahrung denken. Wie in den vergangenen Newslettern hinlänglich erklärt, haben diese Industrieprodukte nichts mit gesunden Lebensmitteln gemeinsam! Dennoch machen sie inzwischen über 60% der täglichen Energiezufuhr in den Industrieländern aus!
Um das noch einmal ganz deutlich zu machen und die Erklärung für das Suchtpotential aufzuzeigen, lassen Sie uns einmal hinter die Kulissen schauen. Was unterscheidet ein natürliches Lebensmittel von einem Fertigprodukt UPF (Ultra-Processed Foods)?
UPF´s haben eine unnatürliche Nährstoffzusammensetzung und Struktur, die unserem Organismus und unserem Mikrobiom völlig fremd ist und beide damit überfordert. Hohe Mengen Zucker, gehärtete Fette, Salz und sehr viele synthetische Zusatzstoffe stehen einem Mangel an hochwertigen Eiweißen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen gegenüber.
Die meisten UPF´s bestehen zu 45-55% aus Kohlenhydraten und ca. 25-35% aus Fett. Es gibt in der Natur kein einziges Nahrungsmittel mit einer derartig ungesunden Zusammensetzung!
Aber warum können Fertignahrungsmittel den Eßdrang fördern und womöglich eine Sucht erzeugen? Die Antwort ist ganz einfach: weil es die Nahrungsmittelindustrie genau darauf anlegt! Ein abhängiger Kunde ist ein verläßlicher Dauerkunde! Geschickt konzipieren Lebensmittelchemiker mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern und vor allem Süßstoffen Produkte, die vielen Menschen besser schmecken als die natürlichen Lebensmittel. Dabei wird besonders auf das Mundgefühl dieser Produkte geachtet, die stets eine cremige und weiche, knusprige oder zart-schmelzende Konsistenz haben, die zumeist das Kauen ersparen. Durch raffinierten Zusatz künstlicher Zusatzstoffe wird der Genuß derartig optimiert, daß er in unserem Gehirn ganz subtil eine Art Glücksgefühl im Sinne eines Belohnungssystems auslöst. Folglich steigt das Verlangen nach mehr und ehe man sich versieht befindet man sich in einer unmerklichen Abhängigkeit.
Das bedeutet, daß zumindest jeder achte nicht aus Hunger, sondern aus einer zwanghaften Gier und Sucht nach UPF´s ißt! Somit sind in diesem Sinne ca, 5 Millionen der über 50-Jährigen (16,9% der Frauen und 7,5% der Männer) eßsüchtig.
Hier sollten wir bedenken, daß die Studie über 50-Jährige erfaßt, die zumindest in den ersten Lebensjahren noch keinen Kontakt zu UPF´s haben konnten, da diese erst in der 80er Jahren langsam auf den Markt kamen. Gar nicht auszudenken, wie wohl die Gesundheitssituation sich auf die jüngeren Generationen Y, Z und Alpha auswirken wird, die mit den Fertignahrungsmitteln groß geworden sind. Denn es ist offensichtlich, daß das Eßverhalten in der Kindheit und Jugend unsere spätere Ernährung prägt! So ist die hohe Übergewichtsquote bei Kindern und Jugendlichen heute auch absolut kein Wunder.
Die gute Botschaft ist: Aus dieser Sucht kann man mit Willenskraft, Wissen um die Zusammenhänge, einer qualifizierten Ernährungsberatung und einer Therapie des Darmmikrobioms wieder aussteigen. Letzteres ist besonders wichtig, da sich unser Mikrobiom stets an unsere Kost anpaßt, auch wenn es eine schlechte ist. Für eine gesunde Ernährung braucht es auch ein entsprechendes dazu passendes Mikrobiom!
Mein Rat:
Schauen Sie genau hin, lesen Sie die Inhaltsstoffe, mißtrauen Sie den Werbeversprechen der äußerst findigen und verführerischen Nahrungsmittelindustrie und bedenken Sie stets, daß viele Nahrungsmittelzusätze nicht deklariert werden müssen. Und werden einige von der Aufsichtsbehörde verboten, hat die Industrie längst Alternativen entwickelt. Und da wir das alle nicht mehr durchschauen können, bleibt nur eines: das Zeug erst gar nicht kaufen!
Mein Rat an uns Therapeuten:
Wir sollten im Rahmen der Ernährungsanamnese noch deutlich mehr auf die UPF´s achten.
