Bis vor wenigen Jahren galt das Genußmittel Kaffee in der Medizin nicht zuletzt wegen seines Koffeins eher als Genußgift. Es wurde der Eindruck vermittelt, er wirke lebensverkürzend, während neuste Studien eher zeigen, wie förderlich sich Kaffee auf unser Immunsystem und vor allem auf unsere Hirnfunktionen und die Psyche auswirken.

In aufwendigen Versuchsreihen beobachtete man bei gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern bestimmte Körperfunktionen in Phasen von Kaffeekonsum, bei längeren Entzugsphasen und bei erneutem Kaffeekonsum. Natürlich ging man bei den zu erwartenden Veränderungen von den jeweiligen Koffeinwirkungen aus – und irrte sich!

Wie konnte das sein? Überraschenderweise machte es keinen nennenswerten Unterschied, ob die Probanden koffeinhaltigen oder -freien Kaffee tranken!
Der positive Einfluß auf das Immunsystem und auf diverse Hirnfunktionen wie Streßtoleranz, Stimmung sowie Denk- und Merkvermögen hing nicht allein vom Koffein ab.
Was war es dann im Kaffee, was unabhängig vom Koffeingehalt diese positiven Effekte an unserer Gesundheit auslöste?

Das verstand man nur, weil man in den Versuchsreihen auch die Veränderung der Mikrobiomzusammensetzung im Darm untersuchte und entscheidende Unterschiede beim Kaffeeentzug fand, die mit dem erneuten Kaffeekonsum sich wieder ausglichen. Ganz offensichtlich blühen bestimmte nützliche Bakterienkulturen im Darm unter Kaffee auf, die für die bisher dem Koffein zugeschriebenen positive Wirkungen insbesondere im Gehirn sorgen. Unter Kaffeeentzug werden diese Darmbakterien inaktiv und stellen ihre nützliche Förderung ein.

Und genau so ist es. Die unabhängig vom Koffeingehalt im Kaffee enthaltenen sog. Polyphenole sind es, die diese speziellen Darmbakterien brauchen. Deren Stoffwechselprodukte und Signalbotenstoffe stellen im Sinne der Darm-Hirn-Achse eine Verbindung zwischen Darm und Gehirn her und lösen diese wunderbaren gesundheitlichen Effekte aus.
Selbst die Neigung zur Demenz sollen u.a. die Stoffe aus den Phenolen mindern. Man hat auffallend häufig bei dementen Personen einen Mangel dieser speziellen Bakterien gefunden und damit verbunden auch einen auffallend geringen Kaffeekonsum.

Polyphenole zählen für uns zu den sekundären Pflanzenstoffen. Pflanzen bilden sie einerseits zum Schutz gegen UV-Strahlen, Parasitenfraß und Pilze. Andererseits dienen sie als Farb- Aroma- und Bitterstoffe und wirken antioxydativ.

Mein Rat:

Wenn Sie bisher vielleicht aus gesundheitlichen Gründen Kaffee gemieden haben, dann sollten Sie nun diesen Verzicht noch einmal überdenken. Sind Sie gewohnheitsmäßiger Kaffeetrinker, dann sollten Sie, Ihr Darm und Ihr Gehirn bisherige gesundheitlichen Bedenken über Bord werfen und Kaffee einfach nur genießen.