Ausgerechnet in dem Land, in dem die höchste Brotkultur anerkannt als immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe gepflegt wird, essen wir Deutschen wie in den meisten Ländern der Erde am häufigsten das schreckliche Industrieprodukt Toastbrot. In Deutschland gibt es, wie sonst nirgends auf der Welt, über 3000 Brotsorten – und wir essen dennoch am häufigsten Toastbrot. Verstehe das wer will.
Immerhin ist Brot für uns ein Grundnahrungsmittel und das sollte unbedingt ein Lebensmittel und nicht einfach sattmachende Nahrung sein!
Denn hier entscheidet es sich, ob Brot für uns zum Segen oder Fluch wird.
Kommen wir zunächst zum Segen eines wahrlich gesunden Sauerteigbrotes. Wie Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte, benötigt man zum Backen eines Brotes nur ganze vier Zutaten, nämlich Mehl, Wasser, Salz und ein Triebmittel wie Backpulver, Hefe oder eben Sauerteig. Also einen Teig für den Teig, der entsteht, wenn man Mehl und Wasser an der Luft bei bestimmten Temperaturen stehen läßt und sich dabei durch im Mehl und der Umgebungsluft vorkommende Hefen und Gärbakterien eine milchsaure Gärung (Fermentation) in Gang setzt, bei der die Mikroben Zucker im Mehl im Sinne einer alkoholischen Gärung verarbeiten und dabei u.a. CO2 entsteht. Diesen bläschenbildenden, auftreibenden Effekt nutzt man, wenn man Sauerteig (sauer durch Milchsäure der Hefen und Milchsäurebakterien) dem Brotteig zuletzt.
Spätestens beim Lesen von Milchsäure bzw. Milchsäurebakterien wird dem in Sachen Darmmikrobiom geschulten Leser klarwerden, warum das Sauerteigbrot so gut verdaulich und für uns so gesund ist. Durch den Sauerteig wird übrigens die Bioverfügbarkeit insbesondere für Mineralien deutlich erhöht. Wenn dann auch noch 1050er Roggenmehl mit entsprechend hohem Mineral- und Ballaststoffanteilanteil verwendet wird, dann könnte der Kontrast zum schnöden industriell hergestellten 405er Weizen-Toastbrot nicht größer sein!
Wie Sie sicher wissen, spielt Milchsäure in unserem Darm eine sehr große Rolle. Milchsäurebakterien ( Bifidobakterien, Enterococcen und ganz besonders Laktobazillen) kommen in der Nahrung neben dem Sauerteig in allen Fermentationsprodukten wie z.B. Joghurt, Kefir oder Sauerkraut vor. Milchsäure senkt im Darm den sog. pH-Wert ab und kann damit das übermäßige Wachstum von Fäulniskeimen oder Hefen verhindern. So ist es auch im Sauerteigbrot, das deshalb länger frisch bleibt und nicht so leicht schimmert.
Und wie ist das bei den großtechnisch gefertigten Broten bzw. Toastbroten? Die schimmeln auch ohne Sauerteig nicht schneller. Ganz im Gegenteil halten die sich in der Plastikverpackung erstaunlich lange. Ja, und hier kommt ein großer Nachteil gegenüber dem Sauerteigbrot. Das ganze gelingt nämlich nur mit reichlich chemischen Zusätzen. Und die gibt es bekanntlich ohne Ende z.B. in Form von Stabilisatoren, Geschmacksverstärkern oder als Zuckercouleur.
Aber der ganz entscheidende Unterschied liegt nun einmal in der Wertigkeit und der Verdaubarkeit, denn ein Sauerteigbrot braucht nun einmal eine längere Gare und ist nicht in einer automatisierten Backstraße minutenschnell zu erzeugen.
Sie sehen, Brot ist nicht gleich Brot.
Mein Rat:
Gönnen Sie sich ein etwas teureres aber wertigeres Sauerteigbrot vom Bäcker Ihres Vertrauens. Oder versuchen Sie sich selbst in der wunderbaren Kunst des Brotbackens. So oder so, Ihr Darmmikrobiom wird sich bedanken und Ihr gesamter Organismus mit ihm. Sie werden feststellen, daß die beim Verzehr konfektionierter Brote häufig auftretende Blähneigung und Stuhlunregelmäßigkeit bei Sauerteigbrot meist ausbleibt.
