Uns alle sollte es nicht überraschen, daß ein gestörtes Mikrobiom im Darm auch unsere Nieren schädigen kann. Schließlich ist schon länger so ein negativer Einfluß auf unser Gehirn (s. mein Newsletter über Multipler Sklerose, Parkinson oder Demenz) oder auf unser Herz (s. mein Newsletter über Arteriosklerose) wissenschaftlich gesichert.
Als eifrige Newsletterleser erinnern Sie sich gewiß an meine Veröffentlichung vor einigen Wochen, wo ich über die gravierende Gefahr einer Arteriosklerose auch in den Herzkranzgefäßen berichtete, die schlimmer ist als es hohes Cholesterin je sein kann. Es ging um das von Fäulnisbakterien (z.B. Clostridien, Enterobacteriaceae) im Darm gebildete TMA (Trimethylamin), das insbesondere bei Schleimhautschäden (Leaky-gut) besonders leicht in die Blutbahn gelangt und in der Leber zu einem toxischen TMAO (Trimethylaminoxyd) oxydiert werden kann. Und genau dieses TMAO kann auch Gefäßschäden in den Kapillargefäßen und den Filterstrukturen der Nieren anrichten. Und es kommt zu Nierenfunktionsschäden.

Doch dieses ist keine Einbahnstraße, denn Nierenfunktionsstörungen schädigen ihrerseits alle andere Organe und somit auch den Darm und sein Mikrobiom. Durch die gestörte Filterfunktion der Nieren sammeln sich Harnstoff und andere urämische Substanzen im Blut und auch im Darm an. Das wiederum fördert Fäulniskeime, die mit speziellen Enzymen (Ureasen) den Harnstoff in toxisches Ammoniak zerlegen. Das hat zwei gravierende Konsequenzen. Einerseits wirkt das Ammoniak stark basisch, was das Wachstum der Fäulniskeime noch fördert und die Entwicklung gewünschter Kulturen schwächt. Anderseits wirkt Ammoniak stark toxisch und entzündungsfördernd auch auf die Darmschleimhaut, die dadurch noch durchlässiger wird (Leaky-gut) und den Toxinen in Richtung Leber Tür und Tor öffnet. Und den Rest kennen Sie ja.

So können sich Störungen des Darmes und seines Mikrobioms sowie Nierenfunktionsstörungen gegenseitig immer mehr hochschaukeln. Diese oben beschriebenen Zusammenhänge werden vermutlich noch Jahre brauchen, bis sie allgemein anerkannt auch in der täglichen ärztlichen Praxis ankommen.
Noch immer gelten die jahrzehntelangen Standards für die Behandlung von Nierenerkrankungen mit speziellen Analysen der sog. Nierenwerte, Vorgaben für die tägliche Trinkmenge incl. der Kaliummengen sowie strikte Vorgaben für die Einhaltung bestimmter Eiweißmengen im Kostplan. Wobei hier insbesondere das Fleisch in den Vordergrund gestellt wird. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse stellen dieses Vorgehen teilweise in Frage. Das sicher umso mehr, als wohl nicht das Fleisch bzw. Eiweiß selbst das Problem ist, sondern das, was unsere Fäulniskeime im Darm daraus machen!!!
Außerdem wird hinsichtlich der Ernährung für unsere Nieren insbesondere die Qualität der Kost (Stichwort Covenienceprodukte) und der Anteil an naturbelassenen pflanzlichen Anteile immer deutlicher. Mit einem höheren Anteil ballaststoffhaltiger Lebensmittel bieten wir unseren gewünschten Kulturen Futter und gewinnen dadurch mehr kurzkettige Fettsäuren. Das ernährt und stabilisiert unsere Darmschleimhaut und verhindert Entzündungen und ein Leaky-Gut.

Und wieder sind wir einmal mehr beim Wert unserer uns schützenden und ernährenden Kulturen innerhalb unseres Mikrobioms. Ist das nämlich stabil, haben Fäulniskeime kaum eine Chance in unserem Darm u.a. das TMA im Rahmen eines Fäulnisprozesses zu bilden und all unseren Geweben wie auch den Nieren bleibt eine Schädigung erspart.

Mein Rat:

Wenn schon die Alltagsmedizin hier keine Hinweise gibt, dann sollten Sie selber Ihre Gesundheit schützen, indem Sie auf Ihr Mikrobiom achtgeben, die dafür notwendige Ernährung pflegen und bei Gelegenheit einmal das TMAO im Serum messen lassen. Sie wissen doch – es ist gefährlicher als ein hoher Cholesterinspiegel!

Mein Rat an uns Therapeuten:

Wir alle sollten uns die Serumuntersuchungen auf das TMAO und bei pathologischem Ergebnis die Mikrobiomuntersuchungen zur Regel machen – ich tue es jedenfalls!